Schockiert. Traurig. Ängstlich. Hilflos. Überfordert. Nachdenklich.

11.1.2019 Kathmandu

Heute Mittag war ich in einer Fabrik, in der Zigelsteine hergestellt werden. Es war eine Reise ins Industralisierungszeitalter… Bilder die ich in der nur aus Geschichtsbücher und Reportagen kenn

e. Arbeiter, die vom Land in die nähe der Stadt kommen und in dunkel, nassen und sehr ärmlichen Hütten wohnen. Ich war schockiert. Vielleicht weil es so greifend nah war, denn insgesamt gibt es sicher noch ärmlichere Orte.

Über finanzielle Mittel von Nepal Aid wurden Kinderklamotten, Schulkram, etwas Spielzeug und ein paar Süssigkeiten gekauft und verteilt.

Erst habe ich nur zu geschaut und war traurig. Darf man Fotos machen. Ich machte Fotos. Die Foto sehen weniger schlimm aus als die Realität.

Ich wurde gebeten mit zu verteilen. Am Anfang war ich noch mit 2 Meter Abstand im Halbkreis mit einer Hauswand im Rücken eingekreist. Mit der Zeit kammen alle näher und näher und ich Stand mit der Rücken zur Wand. Es wurde immer enger um mich herum, ich sah lauter Kinderhände zur mir ausstrecken und hatte Angst auf die kleinen nackten Füsse zu treten. Es beängstigte mich die Situation. Was viel zu wenig zum verteilen gab, war das Schulzeug. Es wurde immer wieder nach Schreibheften und Stiften gefragt. Die Kinder liefen zum Teil Barfuß auf dem Lehmboden rum und jede zweite Nase war total verrotzt.

Als wir uns vom Hüttendorf entferntem atmete ich schwer und dachte … puh vorbei…. und schämte mich bei dem Gedanken. Doch es kam noch heftiger.

Wir trafen noch eine junge Frau, die ebenso im der Fabrik arbeitet. Viel und schwer heben muss. Sie hatten eine Verkehrsunfall und lief wie eine alte Frau. Sie muss durch den Unfall eine Verletzung an den Nerven sich zugezogen haben. Sie zitterte mit den Händen und sie konnte nicht gut stehen und setzte sich auf den Boden. Ich war hilflos und mein Kreislauf machte mir zu schaffen. Flau und Schwindel… ich musste mich auf einen Stein setzen. Sie wird sich keine Behandlung leisten können. Sollte ich ihr Geld geben? Hier direkt. Ich schämte mich. Einfach so Geld hin zu strecken. Die reiche Europäerin. Ist das richtig? Soll man nicht über NGOs Geld geben? Kommt dann aber Geld bei dieser Frau an?

Ich saß weniger gerade da als die Frau. Kein Wort brachte ich raus. Ich war einfach paralysiert. Fehlte mit Mitgefühl um einfach Geld zu geben. Es war schrecklich, ich war erleichtert als wir gingen. Hatte kein Geld gegeben.

Wie bei der Hinfahrt duldelte Musik von Udo Jürgens auf der Rückfahrt aus den Boxen. Mir zu Liebe. Mir pochte es im Kopf.

Es war falsch, ich hätte ihr einfach Geld in die Hand drücken sollen. Egal was NGOs als Hinweis geben. Soll ich noch mal hin fahren oder einer NGO Geld geben. Bin ich feige? Wie verhällt man sich hier richtig?

Ich ringe mit mir, ob ich die Bilder hochladen soll.

Pause. Nachdenken. In sich gehen. Balance finde.

Ich lade die Bilder hoch. Unkommentiert.

Deutlicher konnte mir nicht gezeigt werden, wie privilegiert ich aufgewachsen bin und wie ich leben kann. Und so ende ich nachdenklich diesen Blogeintrag für den heutigen Tag.

Namaste Mascha

Ein persönliches Bild von heute Vormittag auf dem Dach. Das brauch ich vor dem schlafen.