Risiko. Gefährlich. Spannend. Glücklich. Dankbar.

17.1.2019 Bergdorf Tauthali

Als ich vor ein paar Tagen die Leute auf dem Bus fahren sah, dachte ich noch wie gefährlich das ist und das ich mir das für mich nicht vorstellen kann. Naja…

Wenige Tage später auf dem Weg nach Tauthali ….

Also zwei mal dachte ich zwar auf der Fahrt kurz „oh das geht schief“ aber auf der anderen Seite hatte ich auch mein Spass. Und meine grössere Sorge war im Verlauf… frieren… und so war ich um jede Pause dankbar in der ich mir Mütze und Jacke jeweils anziehen konnte… frieren ist für mich was ganz schlimmes….. vor allem am Kopf. Nepal ist diesbezüglich für mich „Raus aus der Komfortzone“.

Das war mit dem Busdach so nicht geplant aber der Bus war voll und da wir unbedingt zu dem Bergdorf wollten, war ich es sogar, die sagte, lass uns auf Dach gehen. Während ich mich mit meinem Alpenfeilchen Stofftuch fest halten konnte, musste sich die ISARD Kollegin am kantigen Dachgestell fest halten. Kein mux von ihr dazu. Sie saß da fester „im Sattel“ als ich. Übrigens ist das hoch fahren weniger schlimm als gerade und runter fahren, denn da beschleunigen die Fahrer viel mehr und die vielen Schlaglöcher und Sandhaufen kommen noch mehr zur Geltung. Hüpf Hüpf Hüpf… Hust Hust Hust. Danach waren wir voll eingestaubt…. Armmuskeln trainiert und haben mehrfach vor Schreck aufgeschrien. Als wir ausstiegen gab ich erst mal eine Runde Honiglikör aus dem Flachman aus. Verstaubte-herzliche Begeisterung.

Was mich am Rest des Tages erwartet war eine gigantische Fülle an Eindrücken, Nahbarkeit und Menschlichlickeit.

Wir besuchten den Chairman vom ISARD Vorstand. Zur meiner Überraschung… eine Frau. Und was für eine … So herzlich und stolz. Ihr Mann steht ihr da aber in nichts nach. Sie führen zusammen ein Geschäft im wohl einzigen Hochhaus eines Bergdorfes in Nepal.

Sie sind nicht reich aber sie engagieren sich sehr für das soziale Miteinander. Ich kam aus dem staunen gar nicht mehr raus als sie mir erzählte, dass Sie anstatt viel Geld für die Feierlichkeiten der Hochzeit des älteren Sohnes auszugeben, einen sozialen Fond mit dem Geld gegründet haben. In diesen Fond zahlen alle Familienmitglieder zudem jährlich Geld ein, so dass aus dem Fond soziale Projekte gestartet werden können. Unter anderen bauten sie mit dem Geld eine Tagesstätte für Senioren. Da durch das Erdbeben vieles kaputt ging, muss vieles neu gemacht werden. Die neue Tagesstätte ist noch im Rohbau und die Gelder gingen aus. Aber wenn sie weiteres Geld zusammen haben, dann soll die Tagesstätte fertig gestellt werden und vom Fond eine Altenhilfe bezahlt werden. Die Familie ist nicht reich aber sie will unbedingt ihren kleinen Wohlstand konkret teilen. Es hat mich zu tief berührt, wie die ganze Familie Sherestha zusammen agiert. Als wir in dem Gebäude standen, fragte ich wieviel das kostet …. also Fertigstellung mit Einrichtung und sie meinten ca. 2000€. Ich stand da und dachte in dem Moment „zahl ich“. Man … bzw. ich sehe so konkret, wie man helfen kann … und das man mit so wenig so viel erreichen kann … z.B. bei der Bergschule oder der Senioren Tagesstätte.

Als wir später zusammen hinten im Raum des Geschäftes sassen und bekocht wurden, interessierte es mich was die Chefin wohl gerne aus einem europäischen Land haben wollte und sie antwortete zu meinem Erstaunen „Wissen“. Die Fragezeichen auf meiner Stirn richtig interpretiert, konkretisierte sie:

1. Bienenzucht

2. Saftherstellung

3. Yoga

Nachdem ich noch mal eine Runde aus dem Flachmann mit dem Bienenlikör spendierte, wurde ergänzt „Herstellung vom Bienenlikör“.

Yogaimport aus Europa … etwa crazy.

Also wer Interesse hat für Essen und Unterkunft in dem Bergdorf für ein paar Tage aktiv zu werden, kann sich gerne bei mir melden.

Während der ganzen Zeit hörten wir aus einem der Nachbarhäuser laute moderne nepalesische Musik. Wie schon in den Bussen, kann ich mich nicht auf einen klaren Style der Musik festlegen. Eine Mischung aus Techno, Rap, Volksmusik und Ballermann aus Mallorca. In dem neuen Haus ist Bergfest… und es wird ein Dankesfest zu Ehren von dem Gott Vishnu (dem Manager) gefeiert…. Bunt und Laut. Viele Opfergarben. Wir haben die Feier kurz besucht und dort lernte ich die Eltern unseres Gastgeber kennen. Die Mutter so knuddelig. Beim Foto wollte sie unbedingt neben mir stehen und mich umarmen. Später ließ sie meine Hand gar nicht mehr los. Ich war gerührt. So voller Freude alle und dankbar.

Die Musik von dort dröhnt noch jetzt zu mir ans Bett.

Was ein Tag…. Disco im Bus A, Höllenritt auf dem Bus B, im Staub fast zu Staub geworden … nicht ganz erfroren und dann familiäre Herzlichkeit im Hinterzimmer vom Supermarkt des Dorfes. Soziales Engagement und eigentlich noch so viel mehr…. es gäbe so viel noch zu erzählen aber ich bin müde und der Wecker klingelt Morgen um 5 Uhr. Ich bekomme eine Verschnaufpause bezüglich shaking, da wir zum nächsten Dorf wandern. Freude. Landschaft pur fern der Touristenpfade. Hier oben bin ich bisher die einzige Europäerin und so werde ich auch oft angeschaut. Ich denke dann immer… so viel anders bin ich doch gar nicht. Vielleicht will ich auch einfach gar nicht viel anders sein, sondern Teil sein und nicht die Ausländerin.

Namaste

Mascha

Der Supermarkt inkl. Schwalbennest

Das Hochhaus mit weiteren Zimmer….. Fortbildungsräume ….

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Die Tagesstätte mit Spendentafel

Das Opferfest mit kulinarischen Opfergarben

Die Chefin, die Familie

Das Abendessen mit Flachmann und mir wurde Honig aus der eigenen Herstellung geschenkt

Kulinarisches…

Apfelartiges aus dem Boden… Aperitif aus dem San Miguel Glas, die Saftpresse und weitere Impressionen