Gute Nacht, John-Boy! Gute Nacht, Elizabeth! Gute Nacht, Jim-Bob! Gute Gute Nacht Kinder!

19.1.2019 ISARD Farm bei Sunkoshi

Gestern Abend waren dieses mal viele Frauen im Frauenhaus und durch die Wände der verschiedenen Zimmer wurde gequatscht und gekichert. Mein Name viel mehrmals… ohne das „sch“, sondern nur mit „ss“ …. Massa. Korrigiere ich nicht mehr, ich mag es.

Ausser der Köchin sind es hier alles junge Frauen zwischen 20 und 25, die zum Job noch studieren: Agrarwirtschaft.

…. dann höre ich wie sich alle gute nach sagen „Subha ratri“….. Nacheinander mit Namen. Auch meine Name fällt. Ich schmunzel während ich auch ein leises „Subha Ratri“ von mir gebe. Wie bei der Serie Die Waltson, die mich während meiner Kindheit begleitet hat…. John Boy, Elisabeth, Jim Bob …. ☺

Um 7.30 Uhr schäle ich mich nach ein paar Seiten lesen aus dem Schlafsack. Lange geschlafen heute. Federbälle sind alle kaputt. Volleyball, den ich gestern gekauft habe, ist viel zu hart für mich zum spielen bzw. meine Technik zu schlecht… oder ich bin einfach ein Weichei. Egal.

Heute verzichte ich auf Morgensport und geniesse mit dem süssen Nepali Tee zwei (!!) süsse Stückchen. Die lokale Bäckerei hat so etwas wie Hefezöpfchen mit etwas Schoko. Ungesund. Lecker … vor allem wenn man es in den warmen Tee tunkt. Wie Menschen auf süssen verzichten können, ist mir ein Rätsel.

Es ist noch frisch hier draussen. Der Taunebel hängt noch in den Bäumen, doch die Sonne kündigt ihr kommen hinter den Bergen schon an. Es sieht nach einem strahlenblauen Himmel aus, wenn die Sonne erst mal die Oberhand im Tal errungen hat. UPS… jetzt muss ich mein Tee und Hefezopf gegen die Hühner verteidigen. Carring is Sharing aber in diesem Fall nicht. Purer Egoismus herrscht in mir bei den süssen Teilchen heute.

In manchen unterscheiden sich Menschen über die Ländergrenzen nicht. Nachdem ich vom Friseur ins Büro von ISARD bin, kam von den Jungs nur … entweder gar nichts…. oder „man sieht ja hat gar nichts“… oder „ist da was anders?“. Abends bei den Ladys wohlwollende Worte und Zustimmung. Ich liebe manchmal Klischees.

Beim Friseur war es natürlich aufregend. Ich sollte eine Foto zeigen, wie ich es haben will. 2 bis 3 Zentimeter kürzer und stufig versuchte ich mit Händen und Füssen zu erklären. Wärend des schneidends rief die Friseuse plötzlich laut auf und eine andere Frau kam aus einem anderen Raum hinzu. Wie am OP Tisch im Krankenhaus, wo Oberarzt oder Chefarzt gerufen werden, weil etwas nicht gut läuft. Ich spüre keine Schmerzen. Kein Blut tröpfelt, kann also nicht so schlimm sein und Haare wachsen nach.

Mit kürzeren Haaren, diese immer noch ungewaschen verließ ich den Friseur … mein innerlicher Wunsch, dass mit Haare schneiden, diese auch mit warmen Wasser gewaschen werden, erfüllte sich leider nicht. Heute wird kalt geduscht. Ich bin überfällig.

In dem Dorf ging ich dann erst mal einkaufen. Wie immer begleiteten mich ISARD Mitarbeiter. Erst dachte ich, die wollen auf mich aufpassen aber sie haben Spass und wollen vor allem ihr englisch verbessern. Das Sprachgenie Mascha als Lehrerin in Englisch …. ein Wiederspruch in sich. Mit vielen Tüten… alles mit Essen gefüllt… man nimmt sich immer mit egal wohin man reist, geht es zur Farm zurück. Während des Spaziergangs, erkläre ich „Weniger Plastiktüten das nächste mal“… wie erklärt man das hier in Nepal mit dem Müll und der Umwelt …. so viel Müll überall…. . naja habe ja 5 Monate Zeit.

Am Abend bereite ich im Essraum mir wieder einen Rettich-Apfelsalat zu und Obst mit Joghurt. Um mich herum viele der jungen Ladys, die auch“Hausfrauen Dinge“ tun. Der einzige Mann sitzt nur dabei aber übersetzt für uns. Ich nutze die Chance und frage Nirmala, die Tami ISARD Mitarbeiterin, ob sie die Geschichte mit der „heiratsunwilligen Frau“, die lieber zu Ende studieren will und erst mal arbeiten will bevor sie heiratet, den anderen hier erzählt hat. Nein. Ich bitte Sie diese zu erzählen und ein Gespräch zwischen den Frauen entsteht dazu. Ich und auch Gopy bringen ein, dass sie als ISARD Mitarbeiterinnen hier Vorbilder sein können …. aber hier auch sichtbar /hörbar sich in solchen Situationen auf dem Markt einbringen sollten. Zu meine erstaunen erzählt Nirmala, dass sie in der Küche oben im Dorf mit dem Mädchen geredet hatte und Handynummern ausgetauscht haben. Überrascht das sie es tat und überrascht wegen den Kontaktdaten. So kann ich… können wir ggf doch erfahren, wie die Geschichte ausgeht.

Weiter überraschte mich Gopy, da er meinte, ich solle etwas Selbstbewussten den Frauen bei bringen. Weniger Schüchternheit und er meinte nicht nur die Männer müssen sich ändern, auch die Frauen müssen an ihren Rollenbild arbeiten.

Chapeau!

Frauen Empowerment. Ich habe mich ja nie als Feministin gefühlt, hier in Nepal spüre ich aber, wie wichtig es ist, die jungen Frauen etwas anzustossen. Gopy meinte ein Unterricht… kann ich mir gar nicht vorstellen. Mal sehen. Laufe lassen. Wird sich ergeben.

Wir hörten etwas westliche Musik. Ich sollte einen Tanz zeigen und bei Wonderfull World von Sam Cooke konnten einige den Refrain mitsingen…
Don’t know much about history
Don’t know much biology
Don’t know much about a science book. Don’t know much about the french I took. But I do know that I love you. And I know that if you love me, too. What a wonderful world this would be.

Karaoke in englisch wäre hier ein super Ansatz für englisch lernen. Ob es so etwas in Kathmandu gibt?

Beim Abendessen habe ich es das erste mal geschafft, der Köchin freundlich bei zu bringen, dass nach mittags viel Reis und Daahl, ich abends gerne etwas anderes mal will und weniger Kohlenhydrate. Mein Salat und Obst mit Joghurt. Ich würde sagen ihre Blicke sagten so etwas wie „meinst du das wirklich ernst?“. Ich bliebt dabei und sie lachte. Mit weniger schweren Magen zog es mich früh in den warmen Sachlafsack und ich lass noch etwas, bis mir die Ladys in „Familie Watson Style“ Gute Nacht wünschten.

Gerade jetzt beim Schreiben des Endes dieses Blogseintrags, kommt die Sonne hinter dem Berg hervor und wärmt meine kalten und steifen Finger. Tut gut.

Namaste

Mascha

Friseur

Bäckerei und meine errungene Einkäufe… und NEIN das Baby gehört nicht dazu (Insider … nicht war Jungs)

Die Küche und die Hausfrauenrunde

Der Morgen mit Hefespeise, die Essenstibitzer und die Dorfjugend zu Besuch

Müll