Lazy Day & Women Day

300 Seiten gelesen. Buch beendet. Heute ließ ich meiner Lazy Seite viel viel Raum. Ich saß in der Sonne, ich lag in der Sonne und schlief, lass und hörte Musik in der Sonne. Kontinuierlich bis 17.oo Uhr. Das stimmt nicht ganz mit dem kontinuierlich, denn die Köchin hat es anscheinend sich zur Aufgabe gemacht mich regelmässig mit Essen zu versorgen. In regelmässigen Abständen setzte sie sich neben mich und brachte immer was mit. Da ich mich kaum von meinem Buch lösen konnte und wollte, musste ich Mandraartig in Nepali wiederholen: kein Hunger und muss lesen. Müssen war in diesem Fall wohl übertrieben aber es tat seine Wirkung.

Die Sonne zeigte sich von ihrer besten Seiten und ich konnte in Shorts und Polo Shirt den Tag verbringen. Wenn ich es nicht selber erleben würde, dann würde ich nicht glauben wie warm es am Tag werden kann und wie kalt ab 18 Uhr. Interessant ist, das weder das Eine, noch das Andere den Nepalis viel ausmacht. Weder ziehen sie sich viel gegen die Kälte an, noch legen sie bei der Wärme viel ab. Mein Tagesablauf besteht dagegen mich ab 9 Uhr Stufenweise meiner Klamottenschichten zu entledigen, um diese dann ab ca. 18 Uhr wieder Schichtweise anzuziehen. Hier sage ich dann immer „Onion off. Onion on.“ Wie Zwiebelschichten. Sorgt für viel Erheiterung in meinem Umfeld.

Ich genoss die Sonne sehr und war mit Musikstöpsel im Ohr tief in mein Buch vertieft …. spielt in Finnland im Winter. Gegensätzlicher kann es wohl nicht sein. Der kalte finnische Winter und die trockene glühende Wintersonne von Nepal, sowie meine Spotify Easy Going Musikliste ließen mich kaum mitbekommen was um mich herum geschah ….. bis ich plötzlich eine tröhnenden bis stechenden Schmerz in meinen Ohren verspürte. Ich dachte mein Trommelfell platzt.

Auf dem Innenhof der Farm fand eine Veranstaltung statt und den ganzen Tag wurden reden gehalten und irgendwas diskutiert. Unscheinbar und für mich ein Rauschen im Hintergrund. Mit meinen Augenwinkeln nahm ich hier und da die Menschen war aber insgesamt fühlt ich mich mit Buch, Sonne und Musik mit mir an einem eigenen Ort … bis der Schmerz in den Ohren anfing. Ich nahm die Musikstöpsel aus meinem Ohr gerade als Tina Turner und David Bowie für mich Tonight sangen und schaute zu der Veranstaltung. Das stand eine riesen Musikbox (DOPPELT SO GROSS WIE MEINE ZU HAUSE) und alle Regler waren wohl auf Maximum gestellt…. Lautstärke, Bässe etc. Total überdreht. Die nepalesische Musik quälte sich aus der Musikbox und es quickte und kratzte. Aber mehrere nepalesische Teilnehmer tanzten. Sie schien es nicht zu stören. Ich tanze ja unglaublich gerne und drehe auch gerne mal laut auf aber das war selbst mir zu viel. Viel zu Viel. Ich stöpselte mir wieder meine Musik ins Ohr… drehte lauter … meine schönen Sonnenplatz verlassen? Auf kein Fall .. viel zu faul. Ich war dankbar als jemand die Musik etwas runter regulierte und ich mich wieder in meine eigene Welt vertiefen konnte. Als mir das Wort Ende in meinen Buch begegnete war ich enttäuscht. Hätte die Autorin nicht jetzt noch etwas weiter schreiben können…. aber es wurde auch Zeit, ich hatte Gopy versprochen 1 Stunde vor meinem Telefongespräch mit Deutschland, noch eine Session Projektmanagement zu machen. Kein ganzer Tag Lazy sein. Aber fast.

Im Essenraum traf ich abends überraschend die Präsidentin von ISARD wieder und einen ihrer Vizepräsidenten. Sie sind hier, da sie morgens ins Büro gehen. Ich freute mich und bis Gopy als Übersetzer dazu kam, wurschtelten wir uns mit einzelnen englischen und nepalesischen Wörter und der Zeichensprache durch. Es wurde viel gelacht. Als Deutsche würde man ggf. sagen, die Nepalesen gehen sehr verschwenderisch mit ihrem Lachen um. Die Nepalesen würden vielleicht sagen, die Deutschen zu geizig?

Der Verlauf des Abends nahm dann eine ganz neue Wendung und ich fand mich 30 Minuten später in einem der 3er Zimmer der jungen Damen wieder. Sie hatten sich alle zusammen gefunden und um ein informelles Gespräch gebeten. Mit der Präsidentin und mir und so sassen wir alle auf 3 Bettenverteilt in dem Zimmer. Nachdem mich die Präsidentin mit einem Namaste begrüsste, wurde mir das Wort erteilt. Mhhhh, was soll ich sagen? Nachdem ich kurz sagte, dass ich froh und dankbar hier zu sein in Nepal und bei ISARD, spielte ich den Ball einfach zurück und fragte die Damen, was sie sich von mir wünschen bzw erwarteten. Unosono: englisch Unterricht. Ich stöhnte innerlich. Wie soll ich das nur machen. Ich bin ja nicht mal in deutscher Rechtschreibung und Grammatik, geschweigeden in Englisch sicher. Subjekt, Prädikat, Objekt… könnte ich gerade noch erklären. Beim Dativ und Genitiv wird die Luft schon eng und beim Plusquamterfekt weiss ich nicht mal wie man es richtig schreibt. Können die sich nicht Tisch-Tennis oder Fussball wünschen oder westliche Musik oder auch gerne klassische Musik. Musik das Stichwort… Ich werde es mit Musik machen. Ich fang mit einem Beatle Song oder mit Louise Armstrong an und am Ende landen wir bei Richard Wagner. Kleiner Scherz. 1. Nicht englisch und 2. zu wenig Beat und ausserdem sterben da zu viele am Ende…. kein Happy End.

Also gut morgen starten wir damit aber nur englisch ist mir nicht genug und ich sagte, dass ich zwei weitere Themen wichtig fände …. Women Empowerment und Müll bzw Umweltschutz. Ich stellte noch klar, dass das nicht heisst, dass sie jetzt alles aufräumen sollen. Im Gegenteil, im Sinne von Women Empowerment sollten sie z.B. der Dorfjugend erklären, das sie ihren Müll nicht bei der Tisch-Tennis Platte liegen sollen. Ich erzählte u.a. noch von den Österreicher Forschungsteam, die im Stuhlgang von Menschen Plastik fanden und ergänzte, dass die Hühner hier auf der Farm an dem Plastik auch nicht vorbei picken. Ich kam in Schwung und lief zur Höchstform auf und endete mit einem besonderen Punkt und sagte, das weibliche Präsidentinnen nicht vom Himmel fallen, sondern es harte Arbeit ist und man sich in der Gesellschaft beweisen muss und schaute die Präsidentin fragend an. Es dauerte bis Gopy übersetzte aber der Lacher war auf meiner Seite und die Präsidentin lachte laut auf, nickte zustimmend und sagte mehrfach Good Good ….Very Good und Ladys lachten uns beide an und klatschten zustimmend. Sichtlich waren alle zufrieden mit dem informellen Treffen. Was bei den Damen wohl ein formelles Meeting ist?

Gerade als ich mich aus dem Bett erheben wollte, wurde mir erläutert, das morgen Waschtag ist. Es kommt ein Jeep um 6 morgens und fährt uns zu einem Ort, wo es Waschtonnen mit warmen Wasser gab. In mir stieg ein Bild von hölzernen Bandenwannen wie im Wilden Westen auf. Wannen in denen man sitzen aber nicht liegen konnte und warmes Wasser mit Eimern eingeschütet wurde. 6 Uhr morgens. So früh und lohnt sich das für mich überhaupt? Morgen steht Wandern zur Schulbaustelle auf dem Plan. Ca. 900 Höhenmeter …. schwitzen, schwitzen, schwitzen. Ich wägte in mir ab. Die Neugierde siegte. Wecker stellen auf 5.30 Uhr. Stöhn. Ein Frühaufsteher bin ich nun wahrlich nicht. Jubel als ich sagte, ich komme mit, was mich da wohl wieder erwartet?

Namaste

Mascha

Lesen, die Versorgung der Köchin und die Veranstaltung mit Tanz am Ende

Italien und Brasilien waren auch dabei

Informelles Meeting