Die erste aber nicht die letzte Hochzeit

26.1.2018 Kathmandu

Vollgefressen und mit vielen Eindrücken nach meiner ersten nepalesischen Hochzeit, liege ich in meinem Bett und hoffe das mir schnell wieder warm wird. Meiste Zeit im freien oder wahlfreien bei 8 Grad verbracht und trotz „Prophylaxe“, habe ich gefroren. Ich sah etwas aus wie ein Knallbonbon. Ich habe keine Strumfhose bekommen … also Leggings und hier habe ich mich für Lila-rosa (mit Pinkeinschlag) entschieden. Und einen Rosaschal. Hier wird viel Rosa, Rot und Lila getragen. Aufgefallen bin ich trotzdem aber nicht wegen den Farben, sondern weil ich die einzige war, die kein Sari anhatte. Über der Leggings noch eine Radlerhose. Und im Gegensatz zu den meisten Damen, hätte ich noch eine Strickjacke und meine Jacke an. Die Damen nur Sari und Schal. Brrrrrr….. Pause. Zu kalt. Zu müde. Schlafen.

Ich wurde von der Clique von Bivas adoptiert und habe gleich die nächste Hochzeitseinladung bekommen. Als ich fragte wann, hieß es am 5.3., 8.3. und 10.3. …. alles die selbe Hochzeit… erst das Fest der Braut… dann die offizielle Hochzeit und dann das Fest des Bräutigams. In einem unvorsichtigen Moment, habe ich zugesagt Sari zu tragen. Ich war nicht mal betrunken.

Was den Ablauf betrifft, der ist je nach Kaste anders. Insgesamt ist das Kastendenken in Nepal nach meiner Wahrnehmung nicht sehr ausgeprägt… ausser anscheinend in Bezug der Ablauf der Hochzeit. Es waren ca. 200 Menschen da, eine sehr kleine Hochzeitsgesellschaft, wobei diese sich erst später am Eventort traf. Es ist üblich, dass die Freunde und Familie der Braut bei ihr anfangen zu feiern und alle sich schick machen und die Freunde des Bräutigams bei ihm. Ich gehörte zu Clique des Bräutigams. Nach ca 1 bis 2 Stunden gabe es eine Suppe im Shop um die Ecke. Nichts spektakuläres aber sehr unterhaltsame mit den Jungs… die Frauen und Freundinnen waren auf der Brautparty und lernte ich somit erst später kennen. Die Jungs war super offen und wären von deutschen kaum zu unterscheiden gewesen. Junge aufstrebende Herren um die 30., die meistent liiert oder verheiratet und mit Jobs wie Pharmareferent, IT Verkäufer, Banker, Graphik Designer etc. …. alle Witzig. Bivas der einzige Single lies an dem Abend verlauten, das er wenn Liverpool… also der Fussballverein mit Jürgen Klopp als Trainer englische Meister wird, dann wird er innerhalb eines Jahres danach verheiratet sein. Definitiv fehlt Bivas eine romantische Seite. Er hat kein Freundin oder Affäre. Seine Kumpels meinten, er sei viel zu lazy um eine Frau den Hof zu machen. Bivas meinte das könne doch die Frau machen. Ich bin mir nicht sicher, ob er wirklich so emanzipiert ist, oder wirklich so faul oder was ganz anderes dahinter steckt.

Sein Kumpel Anuj meinte nur trocken zu der Wette mit Liverpool, Meister schaft und Hochzeit: beides wird in den nächsten Jahren nicht eintreten. Beim schlürfen der Suppe wurde vereinbart, das wir alle zusammen das CL Spiel Bayern München gegen Liverpool am 19.2. in einer Sportsbar hier schauen. Heute Nacht schaue ich aber erst mal Eintracht gegen Bremen…. aber zurück zur Hochzeit.

Nach dem ersten Appetizer fing eine ca. 20 köpfige Band auf der Strasse an zu spielen. Musiklich gesehen, was eine Mischung aus brasilianischen und kölner Karneval. Es wurde der Bräutigam aus der Wohnung mit der Musik gerufen und er stieg ins Hochzeitauto…. welches mit vielen Blumen geschmückt war. Nicht nur die Motorhaube.

Wir Gäste liefen und tanzten zur Musik den Bräutigam zum Festort… quer über alle Straßen…. als wir eine 4 spurrige Straße überquerten und die LKVs schnell auf mich zu brausten, war ich kurz skeptisch aber unbegründet… für tanzende Hochzeitsgesellschaften wird brav angehalten … ohne hupen und gezeterre. Es wurde Freestyle getanzt und alle gemischt.

Da die Distanz zu weit war zum laufen, wurden alle inkl. Band, kurz in Kleinbusse und Autos verfrachtet und ein paar Meter vor dem Eventort wieder zum tanzen auf die Strasse gelassen. Wir waren zu früh und schaute schon kurz bei der Braut vor bei….. eigentlich nicht erlaubt aber Ausnahmen gibt es bei den Nepalis oft. Ich konnte so kurz mit der Braut sprechen, sie hatte ein wunderschönen Sari an, der mir auch warm erschien, sie muss da ja ewig sitzen. Die Hände waren mit Henna verziert inkl. ein Bild des Bräutigams. Sie erläuterte mir das die Morgen zu einem Tempel fahren und dann weitere Fest. Sie wirkte entspannter als der Bräutigam. Super englisch.

Später als dann der Bräutigam angekommen war und wir den nächsten Appetizer unter einem Zelt aber im freien zu uns nahmen, versuchten die Gäste der Braut, die Schuhe des Bräutigams zu klauen. Wenn das gelingt, dann wird das Geld, dass ihm an dem Abend zugesteckt wird unter den „Dieben“ geteilt. Diese Tradition veranlasste die Freundin von Anuj…. beide heiraten im März… zu folgenden Vorschlag: Anuj soll sich seine Schuhe von seiner Schwägerin klauen lassen, die auch ihre Freundin ist. Nur von ihr und diese wird das Geld in eine Nachfeiern mit den engsten Freunden des Brautpaares investieren. Alle fanden die Idee super… also der 4. Termin zu dieser Hochzeit. Ich lernte nun alle Damen kennen, alle super gekleidet….super englisch… sehr kommunikativ … alle einen Job… ähnliche wie die Herren. Und alle haben sich durch Zufall kennen gelernt. Keine vereinbartes kennen lernen. Welten zwischen Stadt und Land.

Zwischendurch kamen immer wieder Familienangehörige und man bekam ein kleines Hochzeitsgeschenk…. alla aus der Linie der Braut… mal aus der Linie der Bräutigams. Drin war immer Studentenfutter. KEIN Witz. Da ich meinen kleinen Rucksack hatte, bekam ich alle Geschenke…. solle ich zum wandern mit nehmen. Für Picknicks gut geeignet also sagte ich nicht nein. Hätte so oder so keiner akzeptiert. Keiner wollte die Dinger nach Hause tragen.

Später wurden wir angehalten ins Festzelt zu gehen, um das Hauptessen zu uns zu nehmen. Interessant war das die Trauung…. oder so was ähnliches von uns nicht begleitet wurde… wir haben gespeist. Nur die Familie stand um das Brautpaar herum. Getanzt wurde leider auch nicht mehr. Angeblich soll das bei der nächsten Hochzeit anders sein, andere Kaste, anderer Ablauf. Ich bin gespannt, wobei ich nun einen Sari für eine Hochzeit kaufen muss. Ich schlucke etwas bei dem Gedanken.

Ich konnte mich sehr gut unterhalten, alle waren sehr aufgeschlossen und herzlich. Viel gelacht. Viel über junge Menschen um die 30 in Kathmandu lebend gelernt. Viel gegessen. Nur ein Bier. Um 23.30 Uhr ging es nach Hause. Es war einfach zu kalt.

Heute treffe ich mich mit einigen der Kinder, die Carisimo mit Stipendien unterstützt und mit Gopy werde ich einiges in Sachen Projektmanagement machen. Fühl mich voll… würde auf der Farm joggen gehen, hier geht das nicht. Luft zu schlecht und keine wirkliche Laufstrecke …. ausser am Müllfluss entlang oder im staubigen und mülligen Affenpark. Für beides kann ich mich nicht motivieren und bleibe liegen. Als ich die Nase nach draussen halte, scheint mir die Sonne entgegen. Ca. 13 Grad. Mittags wird es es in der Sonne ca. 18 Grad sein.

Namaste

Mascha

Bivas (rechts) und der Bräutigam (links) und ein Teil der Clique

Die unromantische Hochzeitswette mit Liverpoolbedingung

Impressionen vom Bräutigamhappening

Die Clique vereint sich. Frauen kommen dazu

Die Braut und die Clique

Impressionen vom Fest