Kinder, Fussball und Kälte

27.1.2019 Kathmandu

Ich bin müde. Lange gestern Fernsehen geschaut. Das erste mal in Nepal Fernsehen…. naja sehr nepalesisch war der Inhalt nicht. Bundesliga – Topspiel des Tages: Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt (meine Heimatverein).

Als es los ging, war es hier 0:15 Uhr. Auch bei dieser Aktion zeigen sich die Widersprüche Nepal wieder sehr. Für mich Widersprüche, nicht für die Gastfamilie. Fernsehanschluß mit fast allen Fussballligen der Welt aber keine Heizung im Wohnzimmer. Bei ca. 5 Grad liege ich mit diversen Klamottenschichten und Schlafsack auf dem Boden. Die Jungs … Sohn des Gastvaters und Sohn des Angestellten haben Pulli und ggf eine Decke. Beide sind übrigens Liverpool Fans. Das Spiel ging 2:2 aus. Die Eintracht hatte Glück mit dem Unentschieden.

Ich liege danach fröstelnd im Bett. Einige Kekse helfen mir etwas über die Kälte im Schlafzimmer hinweg. Die Zeit und der Raum für etwas Heimweh und vermissen. Ich lese noch etwas. Bin überdreht vom Tag…. so viele Eindrücke und Erlebnisse. Manchmal Frage ich mich, wie meine Seele, Kopf und Herz das alles verarbeiten soll? Tut sie das?

Ich habe heute 5 Kinder getroffen, die von Carisimo (dem deutsche Verein für Nepalhilfen) mit Stipendien unterstützt werden. Ich bin zu tiefst beeindruckt und berührt von den Geschichten und den Entwicklungen der Kinder. Manche Kinder werden seit über 15 Jahren unterstützt: die Ausbildung finanziert und die Lebenskosten. Die meisten Kinder kommen aus armen dörflichen Verhältnissen, zum Teil sind ihre Eltern durch Bürgerkrieg oder Umweltkatastrophen gestorben. Mache Kinder wurden auch von der Familie verstossen. Leider gibt es nicht wenige Fälle auf dem Land, bei denen durch den Tod der Mutter und neuer Heirat des Vaters es so ist, als ob die Kinder Vollweise sind. Durch Organisationen wie Carisimo bekommen sie eine Chance… fürs Leben ausserhalb der Armut… und einer sehr guten Ausbildung.

Ich habe die Jugendlichen gebeten einpaar Informationen zu sich aufzuschreiben:

Name, age, study, work in the future, Time Carisimo, a wish

1. Laxmi Raj, 23, Engineering, Hydropower Field, 12 years with Carisimo, my wish I want to travel.

2. Nandimaya,18,Business Studies,work in a Bank, 14years with Carisimo, I wish Carisimos caring Loving Support till I become independent.

3. Dhirendra ,22 years old, civil Engineering,- construction for roads and Bridges. 10 years with Carisimo, I wish could study my Masters in Germany.

4.Suresh ,18 years old, veterinary JTA, to look after different animals, 18 months with Carisimo, wish for your strong support for my study.

5. Sagar 19 years old, chartered accountant CA-to look after a Business Profit and Kids. Wish to have a Support for further education.

Das Gespräch mit ihnen beim Mittagessen war sicher etwas von mir gelenkt aber sie gingen auf viele Thema in die Tiefe ein und brachten selber Themen wie Bürgerkrieg, Nazizeit und schlechte Traditionen von Kasten hoch.

Laxmi Raj erzählte mir in gutem englisch, dass er genau aus der Gegend kommt, wo der Todesfall mit Frau und Kindern passierte, der durch die internationale Presse ging. In dem Dorf werden menstrurierende Frauen für diese Tage ausgegrenzt… er benutze das Wort Ghetto… und sie bekommen kaum was zu Essen und wenn dann einfach auf die Erde zu geworfen. Eine baufällige Hütte stürzte ein und die Frau und zwei Kindern starben. Viele in Nepal und vor allem in Kathmandu kritisieren und verurteilen das natürlich aber auf den Dörfern gibt es noch viele ungeschrieben Regeln, die zum Teil nepalesischen Gesetzen wiedersprechen. Es fehlt an adäquater Bildung in den Dörfern und an Verkehrs- und Stromanbindungen. Ich selber bin zu solchen Dörfern gewandert, die mit Auto oder Motorrad nicht zu erreichen sind. alles aber auch wirklich alles wird noch hoch bzw. runter getragen. Stundenlang.

Laxmi ist ein Umweltmensch und erklärt mir und ich denke vorallem auch den anderen Jugendlichen, Veränderung fangen in unseren Köpfen und mit unserem individuellen Verhalten an und nicht in dem man auf die Politiker zeigt. Puh… 23 Jahre… Hydropower Student … am Ende der Welt im westlichsten Nowhere von Nepal geboren und ohne Carisimo wohl auch ohne höheren Schulabschluss und Chance für die Universität geblieben. Ein gebildeter und verantwortungsvoller junger Mann. Auch die anderen alle interessiert, wissensdurstig und offen. Alle keine leichten Familiengeschichten.

Natürlich ist nicht alles ernst und es wird auch viel geblödet. Ich könnte noch so viele kleine Geschichten über dieses 3 stündige Treffen erzählen aber es ist ja noch so viel mehr am dem Tag passiert. Wir vereinbaren, das wir uns bald wieder sehen und ich will mit Carisimo besprechen, ob wir nicht ein Wochendausflug auf die Farm von ISARD machen können? Mal raus aus Kathmandu, Natur, Spass und wir wollen einen Blog von den Carisimo Kinder aufbauen bzw entwickeln. Ich habe so Jugendfreizeiten geliebt …. Spiel, Spaß und Spannung. Das muss doch finanzierbar sein. Insgesamt bedeutet 1 Jahr Unterstützung für eine Kind/Jugendlichen/Student im Durchschnitt 3500€ … für Ausbildung, Unterkunft und Essen. Die Verhältnisse zu uns machen mich mal wieder sprachlos.

Ja ihr Lieben, ich bin hier öfters sprachlos 😘.

Nachdem wie uns verabschiedet haben, laufen Gopy uns ich durch das Touristenviertel von Kathmandu. Seit 3 Wochen sehe und höre ich das erste Mal wieder Nicht Nepalesen. Fast bin ich von dem Westeinschlag des Viertels und den vielen Touristen überfordert. Aber es gibt viele Cafes mit richtigen Kaffee… Cappuccino! Meine Seele und Geschmacksknopen sind hoch erfreut.

In einem der Cafes treffen wir Sushil…. eine Nepali besonderer Art. Er hat für und mit vielen NGOs gearbeitet …. viel Erfahrung in Entwicklungshilfe und Projekten gemacht…. auch einige Projekte, die entweder Geld verschwendet haben oder ineffektiv waren. Hier will ich lernen und verstehen. Aber er ist auch Künstler und ein wenig Hippie. Er selber sagt über sich, seine Haare sehen immer so als ob er gerade aus dem Bett gefallen ist. Er macht u.a. Kunst mit Film und Bildern. Auch Filme über Projekte…. in mir arbeitet es mal wieder.

„PAINTED IDENTITY“ in Nepal:

Wie bei IBM denke ich mir …. Filme zu Projekte sind etwas sehr schönes … das muss doch machbar sein. Ich versuche zu verstehen, was so etwas kostet. Zufällig stößt Emelie aus Frankreich zu uns. Sie hat beschlosse Yogalehrerin zu werden und will erst mal in Nepal leben und hier eine Art Retreat mit Nepalesen zusammen aufbauen. Zu Hause Wohnung und Job gekündigt. Das kann ich mir für mich garnicht vorstellen. Neben unserer Begeisterung für Nepal, teilen wir unsere Sehnsucht nach Comte. Meine erste vis-a-vis Unterhaltung mit Europäischen Einschlag seit über 4 Wochen. La France. Ein kurzweiliger und unterhaltsamer Nachmittag.

Ich muss ich mit Gopy etwa sputten, denn Abends habe ich eine Telekonferenz mit Carisimo Deutschland… also mit meinen Anpsprechpartnerinnen Rosi und Svenja. Telefonkonferenz mit Themen wie Projektplanung, Budget, Zeitschiene, Meilensteine, Risiken und Ideen etc. .. ich lache in mich hinein. Mir war nicht klar, wie sehr ich meine gelernten Fähigkeiten zu diesen Punkten hier in Nepal nutzen und einbringen kann. Es freut mich. Es motiviert mich. Es fordert mich. Es ist kein Urlaub. Die Erwartung an mich selber ist hoch. Ich wünsche mich sehr etwas nachhaltiges hier erreichen tun können. We will see?!?!?

Die Telekonferenz geht 1 1/2 Stunden, viele Themen. Wie kommen strukturierter durch als ich erwartet habe. Das freut mich. Die Idee mit Film und Wochenendausflug finden Sie gut. Ich soll es kalkulieren. Ich bin aufgeregt. Bald muss ich mir echt eine Todo Liste machen.

Neuer Tag: Heute muss ich packen. Morgen geht es wieder auf die Farm und die Dörfer. Schulbau im Bhumestan macht mir etwas Sorgen. Viele Herausforderung aber auch viele Chancen. Ich kann den Bau der Schule beeinflusse … das Gebäude und die Einrichtung. Ich habe keine Ahnung von Bauen oder Architektur aber Ideen, Energie und ein NEIN akzeptiere ich auch hier in Nepal nicht so schnell 😂😎😉.

Namaste

Mascha

Tereffen mit den Carisimo Kindern inkl. Essen und Abrechnungprozess von Ausgaben für die Uni ….

Zeugnis… und ein besonderes gutes… Leistungsnachweise sind wichtig

Spazieren im Touristen Viertel und meine neue Mütze

Im Cafe

Sushils eigener Shop im Progess

Der Fussballabend