Visa Extension und das Glas ist halb voll

19.2.2019 Kathmandu

Komisch. Bevor ich nach Nepal kam, hiess es, dass das mit dem Visa am Flughafen so schwierig und so kompliziert ist und man braucht dieses und jenes…. damals war alles ganz einfach unf mir schien es, dass es einen klar geregelten Prozess am Flughafen gab. Als ich mein 90 Tage Visa hatte, dachte ich „Glück gehabt“ bzw. Zufall.

Als ich das eine oder andere über die Visa Extension gehört und gelesen hatte, war ich wieder nervös. Wie damals am Flughafen. Und genau wie damals, nicht gerechtfertigt. Ich würde sagen, ein sehr klarer und transparenter Prozess. Man könnte fast sagen deutscher als deutsch. Ich denke in Deutschland wäre es viel komplizierter und langwieriger. Ich konnte nach 3 Stunden mit der Verlängerung das Amt verlassen. Ich fand es verhältnissmässig teuer aber man konnte sich vorher ausrechnen, was man zu bezahlen hat. Ersten 15 Tage 30 Dollar pauschal …. jeder weitere Tag 2 Dollar. Ich musste 98 Dollar zahlen. Schon am Eingang stand ein Roll up Banner… da waren alle Schritte beschrieben, was man nacheinander machen muss für das Touristen Visa. Und an einer Wand wurden alle Visa Arten erklärt und was wieviel kostet und sogar die nächste Instanz bei Reklamationen bzw Probleme ist schon benannt. Klarer ging es aus meinen Sicht nicht. Gut es gab zu wenige IT Terminals… hier musste man sich als erstes registrieren und eingeben, wer man ist, was man will etc. Die Warteschlange war da aber es ging voran. Beim Terminal selber gab es eine Person die einen unterstützt. Wie am Flughafen hatte ich das Glück, dass der Helfer alles für mich eingab und Ruckzuck war es fertig. Ob ich so hilfsbedürftig aussah? Naja helfen lassen ist ja keine Sünde 😂. Danach Nummer ziehen und warten. Dass das anscheindend einige mit dem Nummer ziehen nicht verstanden (primär Westler) haben und einfach an den Schalter anstellten, führte zu etwas Unruhe aber die Dame an dem Schalter war klar in ihrer Aussage: Erst wenn die Nummer aufgerufen wird, soll man an den richtigen Schalter gehen. Kenne ich von allen Kölner Ämtern. Ich wartete und beobachte die Leute. Grotesk… dass die Westler primär es nicht verstanden haben und den geregelten Prozess durchbrachen und die vielen Asiaten etc. genervt waren von den undisziplinierten Westlern. Die Amis, die hinter mir in der Warteschlange am Terminal standen, waren genervt vom Warten. Unglaublich… wieviele Stunde habe ich schon warten müssen beim einreisen in die USA. Ohne WiFi Zugang und wenig freundlicherer Stimmung.

Am Bank- bzw Finanzschalter hängt hinten an der Wand ein Kalender…. der Spruch für diesen Monat… frei zitiert „Diversity ist das Leben“.

Ich lass einfach mal wieder im Internet ….. viel Zeitung, schrieb Emails. Gelassen und mit Geduld (Unglaublich… rede ich von mir) hatte ich meine Verlängerung (bis Ende meiner Zeit hier) schon nach 3 Stunden in der Tasche. Und das obwohl mein bestehendes Visa erst in 40 Tage ausläuft. Ich staune über mich selber… ich die sonst solche Dinge auf den letzten Drücker macht und oftmals irgendwelche Strafzahlungen hin nehmen muss.

Der Rest das Tages laufe ich durch Kathmandu, entdecke einen schönen Park… und wussel mich durch mal mehr oder weniger schöne Gegenden von Kathmandu. Nachmittags treffe ich Bivas dem Direktor von der nepalesischen NGO und wir reden über die bestehende Projektproblematik. Wirklich gleicher Meinung sind wir nicht. Ich verstehe seine Punkte und denke, ich hätte es vom Ablauf besser regeln sollen … inhaltlich sehe ich es anders. Ich weiss nicht, ob es ein Kulturthema ist… was ich das erste mal wirklich mich Frage … oder wir einfach wirklich anderer Meinung sind. Passiert ja in Deutschland auch. Amü wahrscheinlichsten eine Mischung, wir besprechen, was der nächsten Schritt ist. Er ist am Zug. Es wird eine Telefonkonferenz mit dem deutschen Verein Carisimo geben.

Abends war ich bei Emelie der Französin eingeladen, die halb in Nepal mir ihrem nepalesischen Freund lebt… dem Filmemacher… er ist nicht da. Ihre Mutter ist gerade hier und hat Käse mitgebracht. FREUDE. Ich habe Wein und Trauben gekauft. Meine Geniesserseele ist in bester Stimmung. Mit von der Partie bei der Verköstigung, ein weiterer Franzose, die Mutter und Holländer. Für den Holländer ist bei allen Themen, die wir streifen… soziale Gerechtigkeit, Umwelt… Nepal… etc. das Glas immer halb leer. Für ich halb voll. Er fragt mich, wie ich für die IBM arbeiten kann, einem Börsennotierten und Gewinnorientierten Unternehmen und in meinen Sabbaticale in Nepal ehrenamtlich arbeiten kann. Für mich kein Wiederspruch. Auch wieso ich nicht mehr als Ärztin arbeite, sondern in einem Beratungsunternehmen. Es ist bemerkenwert wie sehr dieses Thema Menschen immer und immer wieder ungläubig den Kopf schütteln lässt. Egal in welchem Land. Für mich fühlt es sich total logisch und richtig an, was ich wann und wie entschieden oder gemacht habe. Ich habe noch nie so entspannt auf mein Leben geschaut wie momentan. Mit der Entscheidung des Sabbaticals und den Monaten kurz davor und der Ablauf bisher. Schön. Und ich freue mich auf die weitere Zeit hier und ich freue mich auf den europäischen Sommer und die letzten Monate des Sabbaticals … mit Familie und Freunde viel Zeit an verachiedene Orten in Europa zu verbringen.

Eine klare Erkenntnis für mich schon jetzt. Ich komme nicht als ganz anderer Mensch zurück. Natürlich prägt mich die Zeit hier und erlebte Dinge gestalten einen immer … vielelicht etwas mehr Geduld…. aber ich werde nicht erleuchtet sein … ganz anders sein und mein Leben plötzlich ganz anders leben wollen. Es mag hier und da ein Balanceakt sein aber immer intensiv und erlebnisreich. Fühlt sich gut an. Jan hat mich gefragt, was da Motto der Rückkehrfeier sein wird… darüber sinniere ich bei der nächsten Wanderung.

Jetzt mal aufstehe… aus dem bequemen Bett… noch zwei Nächte und dann wieder pure Einfachheit in den Bergdörfern. Ich mag diese Wechsel, ob hier oder in Europa beim reisen… Hüttenwanderungen, Zelt, Pensionen und tolle Hotels. Alles das kann ich sehr geniessen…. im richtigen Verhältnis. Ein Balanceakt eben. Zu fühlen wann ein Wechsel angesagt ist…. das ist die Herausforderung.

Namaste

Mascha

Visa

Kathmandu

Nicht geküsst….