2 Tage Regen. 2 Tage Beerdigung. 1 Tag Stromausfall.

02.03.2019 ISARD Farm bei Bharabise.

Deutsche Projektleiterin in Nepal sein, ist echt eine Herausforderung. Wenn jemand heiratet oder stirbt oder eine neues Haus eingeweiht wird, da hören alle auf zu arbeiten. Wenn es regnet dann steht Ruckzug alles unter Wasser und Nichts geht mehr. Und Stromausfall kann es immer geben. Mal häufiger mal seltener. Mal länger mal kürzer. Die letzten 5 Tage haben Regen, Beerdigung und Stromausfall (öfters und länger) den ganze Plan durcheinander gebracht. Kein wirklicher Meilenstein wurde bis heute zur Begehung erreicht. DER Alpraum eines Projektleiters, fast alle Risiken sind zusammen eingetroffen. Und ich kann nicht mal richtig schimpfen oder mir klaren was wie wir die Risiken hätten besser managen können, was meine Stimmung nicht verbessert.

Als das Meeting für die Begehung startet, hat wieder keiner was zu schreiben dabei. Keiner ist sortiert. Keine alten Dokumentationen zur Hand. „Herr schicke Geduld zu mir herunter. Aber dalli.“Hat nicht gewirkt. Wäre auch etwas vermessen als Agnostikerin. Gopy und ich geraten etwas aneinander. Es half nichts, ich musste runter kommen, ruhig erklären…. sortieren ….. wir brauchten ein Plan B. Ich spüre die Nervosität bei der Begehung der Kollegen. Weitere kleine Alpträume werden bei der Begehung sichtbar. Wieder wurde in einem Zimmer erst die Wände angemalt und danach noch mit Zement gearbeitet…. was man einer Wand sehr genau ansieht. Es muss nach gestrichen. Stöhn. Das passiert nun zum zweiten Mal.

Irgendwie bekommt meine profesionelle Seite wieder ans „Tageslicht“ und wir bekommen einen Plan mit klaren Prioritäten hin. Montag und Mittwoch sind unsere „bis dahin muss dieses und jenes fertig sein“ Zieltage. Montag kommt der Bürgermeister und Freitag die deutschen Volunteere. Man kann nicht sagen, das jetzt noch viel Luft im Plan ist. Ich habe das gemacht, was ich zu Hause immer kritisiere, offiziellen Projektplan und und indirekt eine zeitliche Hintertür eingeplant. Noch können wir es bis zum 8.3. schaffen aber nur weil ich Nepali way als Risiko viel eingeplant hatte. Ein Teil in mir freut sich, gut gemacht. Die andere Seite stöhnt und leidet. Ein Moment von gespaltener Persönlichkeit in mir. Gegensätzlich Eigenschaften und Wesenszüge können nicht nur für andere anstregend sein. Die Projektbesprechung auf dem Nachbarhaus, die Sonne, die Kekse und die Kinder helfen… es fühlt sich weniger nach gespaltener Persönlichkeit bzw dramatisch an. Verhältnismäßigkeit bekommt wieder die Oberhand. Neuer Plan steht. Da ich morgen nach Kathmndu fahre und erst am 8.3. mit den Volunteere wieder hier her komme, stubse ich die Lehrerin und den Vorsitzenden des Schulkommitees an…. sie sollen pushen pushen pushen. Die Lehrerin grinzt und nickt. Sie sieht so aus als ob sie genau auf diese Aussage gewartet hat. Oft warten Frauen auf Aussagen bzw Ansagen hier. Stöhn. Viel mehr von sich alleine heraus manchen, wenn sie es richtig finden.

Ähnliches Problem habe ich mit den jungen Mädchen der Farm. Sie sind nicht nur freundlich. Sie sind teilweise devot. Ob Männer oder mir gegenüber, es ist schwer das zu erklären. Auf dem Rückweg hatten wir genau darüber eine etwas schwierige Situation. Wir hatten abgestimmt welchen Weg wir zurück wählen. Die Mädels waren für links… und ich für rechts. 3:1. Also war klar wir gehen links. Als ich merkte, die gehen doch wieder rechts war es zu spät. Wir ging so wie alleine gegang wäre aber wir hatten anders abgestimmt. 3:1 war für mich ein klares Votum. Ich war angestrengt dadurch. Die Mädels merkten das. Ich trottete hinter her. Es wurde nicht besser, da sie mir erklären wollten wie laufen sollte, welchen Stein ausweichen etc. Sie wollen freundlich sein. Puh. Ich finde manchmal „Überfreundlichkeit“ anstrengender als ein heftige Diskussion. Wir haben das Thema später geklärt als Gopy als Übersetzer zur Gruppe stoss. Sehr gutes Gespräch. Es stellte sich heraus, dass die Mädels auch gerne hinter her laufen, wenn sie genervt sind und dann in Ruhe gelassen werden wollen. Das nächste mal lassen sie mich. Und ich habe Gopy erklären lassen, was der Unterschied von Freundlichkeit und devotem Verhalten ist. Ob das verstanden wurde keine Ahnung. Heute morgen haben wir zufällige erneut den Vater des einen Mädchen getroffen. Selbstbewusstsein und weniger Schüchtern, war das Thema beim gemeinsamem Kaffee trinken. Komisch, hier liegen Kilometer zwischen den Bergdörfern aber trotzdem trifft man einige Personen immer wieder. Schön, Vorallem weil man vertrauter wird und ich weniger als Fremde behandelt werde, sondern herzlich gegrüsst werde… als eine Bekannte.

Als wir gestern schon was fast bei der warem, gab es noch mal Picknick am Fluss. Wunsch der Mädels. Sie sagen, was sie gerne machen würden. Hervorragend. Ich habe Hoffnung. Meine Stimmung war gut und ich dachte ein auf und ab heute. Es folgte ein ab…. der Leiter der Behindertentagesstätte rief Gopy an. Es gab Probleme mit dem Teppich bzw. wegen den Rollstuhlfahrern und Inkontinenz einiger Bewohner, funktionierte Plan A nicht. Ich dachte mir das schon am Anfang aber liess es laufen. Jetzt fragte der Leiter, ob wir statt Teppich einfach Schuhschränke kaufen sollten. Gopy hatte dem Leiter gesagt, er ruft zurück, da er erst mit mir reden wollen. Ich fragte, Gopy ob Schuhschränke gegen die nächtliche Kälte helfen? Wir diskutierten über das Probleme und Lösungsoptionen… wenn A nicht geht, was wäre mit B oder C. Gopy meinte, in Nepal denkt man oft so nicht so. Ja oder Nein oder machen und die Lösung ist nicht wirklich gut. Nicht B oder C bewusst diskutieren und so eine geplante und gemeinsam vereinbarte Alternativen einschlagen. In Nepal mache dann irgendjemand einfach etwas. Es sei schon verwunderlich, das der Leiter angerufen hat und gefragt hat. Ich sehe es bildlich vor mir, satt Teppich stehen plötzlich am 5.3. Schuhschränke vor mir … mit einem freundlichen und begeisterten Leiter. DANKE DANKE DANKE …das er angerufen hat. Gopy ruft noch während der Wanderung zurück und sagt, wir kommen morgen direkt nach der Ankuft in Kathmandu vorbei. Eigentlich wollte ich mich beim Tempel in Buddhanath in der Nähe meines Hotels in ein Cafe setzen und abhängen. Ade. Aber besser als schlechte Laune bei der Feier in der Behindertentagesstätte wegen nicht wärmenden Schuhregale am 5.3. zu bekommen.

Gopy erstaunte mich, er meinte zu mir nach dem Rückruf, dass er wirklich jeden Tag mit mir was lernt und wie wichtig es sei, sich bewusster bzw. klarer zu machen, was man wie entscheidet und gemeinsam diskutiert, um sich klar über eine Alternative B und C zu werden. Er meinte, er hätte ohne mich wahrscheinlich schnell zu den Schuhregalen ja gesagt. Der zweite Dank heute. Ramsundar hatte nach dem Projektmeeting bei der Schule zur mir gesagt, das er dankbar ist, das ich zwar manchmal streng und emotional bin und nichts „schön rede“ (freie Übersetzung) aber immer um eine bessere Lösung im Team ringe und am Ende gute und motivierende Lösungen finde. Er sei froh und dankbar um das Meeting, obwohl er Sorge vorher hatte, weil nichts wirklich fertig war. Also man bzw ich kann wirklich nicht sagen, dass ich keine Wertschätzung und Dankbarkeit hier erfahre. Ich sitze gerade zufrieden im Bus nach Kathmandu und schreibe diesen Blogeintrag und freue mich auf die Diskussion in der Behindertentagesstätte…. ringen um eine besseren Lösung, damit das nächtliche frieren gemildert wird … nicht mit Schuhregalen. Und auf eine warme Dusche freue ich. Und einen richtigen Cappuccino. Und ein richtiges Bett …… und und und … 😉😂😎🤩🤗

Namaste

Mascha

Wandern zur Schule

Pause mit Frühstück

W

Weiter geht es

regenwaldartiger Abschnitt…..ich habe das Gefühl gleich begegnen wir Indiana Jones die Lara Croft….. die Stufen sind anstrengend aber es macht Spass….. naja ausser der Müll ….

S

Schulbaustelle … emotionales auf und ab..

Projektmeeting, Kinder und Kekse

Rückweg und Picknick am Fluss

Heute Morgen…. Gruss nach Kölle….. und Kaffee trinken… und etwas Busfahrt