Lange Gespräche

4.03.2019 Kathmandu

Etwas zufällig habe ich eine 25 jährige Nepalesin kennen gelernt. Wir hatten schnell eine gute gemeinsame Wellenlänge und so kamen wir in ein sehr persönliches Gespräch. Sie erzählte, dass sie eigentlich letztes Jahr verheiratet werden sollte. Obwohl sie wusste, sie will es nicht, sie will eine andere Art von Leben und Beziehung leben, hat sie es erst kurz vor dem Hochzeitstag geschafft für ihre Interessen einzustehe. Erst der immer stärker werdende Druck und die steigende Angst vor einer Beziehung, die sie nicht wollte, mobilisierte Kräfte und Mut für sich und die eigenen Interessen und Gefühle einzustehen. Ihre Eltern redeten 7 Monate nicht mit ihr und ein mal Verlor der vater auch die Kontrolle und schlug zu. Auch jetzt ist es schwer. Ein sehr harter Prozess. Sie stammt aus einer Mittelschichtsfamilie…. Schule und Bachelor wurden von Elternhaus unterstützt. Auch privater Englischunterricht wurde ihr möglich gemacht. Viele Ehen sind hier organisiert, was viel damit zu tun hat, das es noch wenig Kultur des einfach kennen lernen gibt. Das liegt nicht nur an den Männern, sondern auch viel an den Frauen und deren Schüchternheit. Mir wurde schon öfter gesagt, das Eltern sagten, gibt es einen Mann, dann stell ihn uns vor oder wir organisieren was.

Das Frauenbild oder eher das gesamte Gesellschaftsbild bzw. die Rollenbilder sind noch sehr veraltet und nicht ausbalanciert. Die Konsequenz für Menschen hat, wenn sie gegen alte Rollen und Sichtweisen sich wiedersetzen, ist sehr hard. Die Gegenwehr und Ausgrenzung, die wohl einem an den Rand des aushaltbaren bringt. Das ist keien Frage von Gesetzen. Frauen sind per gesetzt dem Mann gleichgestellt. Gleiche Rechte für alle. Homosexualität ist nicht verboten. Nepal ist das erste asiatische Land, das aus Sicht des Gesetzte seit 2007 sehr liberal ist. Gesetze und Haltungen der Menschen sind hier noch weit von einander entfernt.

Nicht nur Frauen trifft das hard, sondern z.b. auch homosexuelle Menschen, egal ob Mann oder Frau…. für Familien kaum aushaltbar, wenn Jungendliche bzw junge Erwachsene sich outen.

Was sich am ehesten bzw am schnellsten momentan verändert, ist das Kasten denken. Man ist nicht mehr nur das „wo rein man geboren wird“. Die Kaste entscheidet nicht mehr die Ausbildung und die Berufswahl.

Wir unterhalten uns viel wie langsam sich Gesellschafts in Nepal sich verändert. Sie meint, es ist schwer eine selbstbewusste Frau hier zu werden. Selbst sie, die rational um die Wichtigkeit weiss, ist in vielen Dingen schüchtern und sehr zurückhaltend. Dies ist auch einer der Gründe, warum sie ihren Master im Ausland machen will. In einem Land, das nach ihrer Sicht schon sehr emanzipiert ist und sie stärkt. Ihr Zielland ist Deutschland, daher besucht sie gerade ein deutschen Sprachkurs. Definitiv lernt sie schneller deutsch als ich nepalesich. Ich kann ihr etwas helfen in Sachen Stipendien und Optionen wie duales Studium. Meine Kernausssge „vieles probieren und Fragen kosten nichts“. Nicht nur Standardwege versuchen. Ein Visa bekommt sie eher, wenn sie ein Stipendium oder Vertrag für ein duales Studium hätte. Sie fragt auch viel… auch persönliches… das erste mal in Nepal, dass ich wirklich persönliche Dinge über mein Leben in Deutschland gefragt werde. Mehr als nur Fakten. Ein schönes Gespräch und wir vereinbaren und Wiedersehen. Vielleicht sogar die Eltern. Meine Geschicht würde ein ganz anderes Frauenbild den Eltern zeigen. Vielleicht sollte ich dann Blutdruckaenker mit nehmen 😮🤔

Angekommen im Hotel, laufe ich dem Direktor über den Weg und auch wir kommen in ein langes Gespräch. Weniger persönlich aber auch tiefer…. die Seele Nepals… als Land und die der Menschen. Er sieht vieles viel kritischer als ich. Er mein, die Mehrheit der Nepali haben kein Verständnis für den Wert „von Zeit“. Einfach den Tag verstreichen lassen, kein Geld in den Taschen zu haben und wenn sich nur Gedanken über die nächste Mahlzeit zu machen, ist normal. Es ist egal wie lange Dinge dauern. Es mag charmant romantisch sich anhören, sich den sonder der Taktung der Zeit hin zu geben. Es sorgt aber dafür, das viele Nachbarländern dadruch das Land ausnutzen. Keine richtigen Grenzposten … Indien nimmt Meterweise Land für dich ein. Klein sauberes Wasser, mehr Krankheiten bei den Familien in Kathmandu, die sich keine private Filterung leisten können. Viele Dinge werden nicht fertig gebaut, ist ja nicht schlimm wenn es nur halb fertig ist. Viele Dinge dadruch importiert werden müssen. Ich spüre beim Schulbauprojekt, dass die Disziplin immer wieder von aussen kommen muss.

Auch erzählt mir der Direktor die politische Lage in Nepal und die letztes Jahr Indien versuchte Inhalte der Verfassung von Nepal versucht zu beeinflussen und der Premierminister sich weigerte und so Indien die Grenzen schloss. Aber die Nepalis seit langen sehr geschlossen waren und sich nicht von Indien erpressen lassen wollten. China half Nepal und Indien öffnete die Grenzen nach 5 Monaten verlor viel Einfluss und Geschäft in Nepal. China investiert Unmengen in Nepal. Sie wollen eine Zubereitung durch den Himalaya bauen. Ein 10 Jahresprojekt. Ein langer tiefer Tunnel. Transport für Importware. Alles finanziert von China.

Ich lernte gestern viel… die Sichtweise auf das nepalesische Leben aus dem Blickwinkel einer jungen Frau und eines ca. 45 jährige Mannes. Beide Mittelschicht. Beide haderen sie aus ganz unterschiedlich Gründen mit der Gesellschaft in Nepal. Sehr spannend.

Namaste

Mascha

Frühstück