Viele Welten an einem Tag

20.03.2019 Kathmandu

Was für ein Tag gestern. Sprünge durch die Welten.

Als mein Wecker um 6 Uhr klingelte, freute ich mich drauf alleine ganz in der früh vor Sonnenaufgang mich auf den Weg von der Bergachule runter zu Farm zu machen. Ich bin nicht die einzige die früh auf ist … Vorallem viele Vögel und um die Wette krähende Hähne.

Ich passiere den noch nicht fertigen „Tomatentunnel“, der von Carisimo unterstützt wird. Wieder ist er ein Schritt weiter im Bau. Es macht mir Spass die Weiter- entwicklung zu erleben. Als ich das erste mal im Dorf war, war das einfach ein Stück ungenutztes Stück Land. Ich frage mich, ob man auch für Tomatentunnel oder Pilzzelte eine Art Patenschaft für Spender entwickeln kann. Müsste doch gehen. Innerlich notiert. Werde ich Carisimo vorschlagen.

Es wird schnell wärmer und obwohl es erst kurz nach Sieben ist, kann ich mich schon Mütze und Jacke ausziehen. Diverse Müllablagen passiere ich hier immer wieder. Sie sind nahe der beackerten Landwirtschaft und nahe vom Wasser. Es ist nur eine Frage der Zeit bis das hier kollabiert. Ich entdecke eine dreckige Babywindel aus Plastik. Eine „wahrlich gute“ Errungenschaft aus dem Westen. Der Westen bringt neben viel Geld für gute Projekte auch viel Müll in dieses Land.

Ich mache eine Teepause in dem mit schon bekannten Lädchen … die Besitzerin kennt mich und begrüsst mich freudig. Den Tee schenkt sie mir. Zwar reicht unsere jeweiligen Sprachkenntnisse für eine richtige Konversation nicht aus aber man freut sich zu sehen. Es ist schön in der Gegend nicht mehr die Fremde zu sein. Mal wieder fühle ich mich um meine Entscheidung bestätigt, primär in einer Region mich zu engagieren… es bleibt nicht oberflächlich. Ich geniesse den Tee und beobachte die spielenden Kinder.

Auf der Farm angekommen, diskutieren Gopy, Namarajh und ich die Planung und Kalkulation der Kindergartenstätte. Ich bin ungeduldig und etwas verärgert. Die Kostenschätzung ist wieder auf eine Art gemacht, die nicht wirklich für eine Planung hilft. Der Blickwinkel auf eine Planung von einer kleinen deutschen NGO fällt ihnen schwer. Aber es wird.. es wird… bis Mai ist ja noch Zeit. Geduld. Am Ende haben wir eine adäquate Kalkulation und ich habe durch die Diskussion wieder etwas über Lösungsoptionen in Nepali Way gelernt. Wie haben eine sehr guten Ansatz gefunden, dass das finanzielle Risiko nicht immer nur bei Carisimo liegt. Gefällt mir auch für andere Projekte in der Zukunft.

Nach Natur mit Wandern und Projektmanagement, geht es mit Motorrad… ich hinten ….. nun mehrere Stunden mach Kathmandu. Ich bin vor Nepal noch nie Motorrad gefahren und hier nun so viel. Komisch, in Deutschland macht mir das Angst. Hier nicht, obwohl ich nicht mal ein Helm habe. Gefühlt findet der ganze nepalesische Sand gefallen an bzw. in meinen Haaren. Mütze flog immer wieder weg. Das holprige der Strassen vibriert sich durch den ganzen Körper. Ich höre Musik und lass mich einfach vom angenehmen Fahrtwind gedanklich treiben.

Nachmittags erreichen wir die private Firma Doko… sie ist auf Müllentsorgung spezialisiert. Ein Start up Unternehmen. Sehr junges Team. Die Firma gibt es seit 1 1/2 Jahren und hat 21 Angestellte. Schnell gewachsen. Sie sind auf Kathmandu und Umgebung spezialisiert. Mit Dörfern oder entfernten Städten haben sie noch nichts gemacht … wollen sie aber. Sehr Spannend. Eine freakige Gruppe… alle zwischen 20 und 40…. fast alle waren mal im Ausland, sind aber zurück gekommen und wollen Nepal verändert… nachhaltige Müllentsorgung aber auch dabei Geld machen wollen, um davon leben zu können. Es sind engagierte und hochmotivierte Aktivisten. Wir wollen zusammen dem Workshop machen … wie könnte Müllmanagement auf dem Land in Nepal funktionieren? Es macht Spass das zu diskutieren und den Workshop zu planen. Am Ende werden wir noch auf ein Bier am Lagerfeuer eingeladen und wir quatschen über dieses und jenes …. bei Beatles und Led Zeppelin Musik.

Als ich dann in meinen mir schon bekannten Hotel einige Stunde später ankomme, laufe ich direkt dem Direktor in die Arme. Der hat einen leichten Schwips und lädt mich in die Bar zu einem Getränk ein. Ungeduscht, in Wanderklamotten, xy Kg Sand auf den Klamotten und im Haar, sitze ich wenig später mit einem süßlichen nepalesischen Weisswein in der Hotelbar und quatsche mit dem glücklichen und zufriedenen Hoteldirektor. Er hatte heute mehrere gute Meetings und die Auslastung für ein neu eröffnetes Hotel ist sehr gut.

Er erzählt mir, das er gerne noch mal zu der Behindertentagesstätte will…. das Hotel will helfen. Er bedankt sich x Mal, dass ich hier die Verbindung hergestellt habe. Es freut mich …. davon motiviert, frage ich, wie das Hotel seinen Müll trennt und entsorgt. Es stellt sich heraus, nicht wirklich gut. Zumindest verstehe ich das so. Ich erzähle dem Direktor von dem Startup Doko und er will ein Treffen. Werde ich organisieren … und freue mich noch mehr. Müde, angeschwipps falle ich ungeduscht später auf mein Bett und schlafe angezogen nach wenigen Minuten ein. Was ein Tag.

Namaste

Mascha

Morgens noch auf 1700m Höhe im Bergdorf …. auf dem Weg zur Farm und der Tomatentunnel…

Müll

Das Startup

https://www.dokorecyclers.com/

Im Lager für die Trennung, entdecke ich sogar ein Plastik Weihnachtsbaum…. ich weiss nicht, ob ich mich als Weihnachtsfreak darüber freuen soll… oder weinen soll .. Müll Import at his best…

So trennen dir hier u.a. in deren Projekte

Lagerfeuer