Happy Holi

Gastbeitrag von Noah und Hannah am 21.03.19

Am 20.03. feiert ganz Nepal das Holifest.
Als wir am 19.03. vor der Schule auf die Kinder warteten, kam niemand zum Unterricht. Gopy erklärte uns daraufhin am Telefon, dass der Unterricht heute ausfällt, weil die Schüler sich auf ihre bevorstehenden Prüfungen vorbereiten sollen. Am nächsten Tag sei das Holifest und deswegen auch schulfrei.
Dass die beiden Tage hintereinander ausfallen, wussten wir nicht und die Lehrerin hatte am Tag zuvor auf unser „See you tommorow“ mit ihrem gewohnten Lächeln reagiert. Das lief wohl alles nach Nepaliway.

Gopy meinte, wir könnten zur Farm wandern und dann am Mittwoch das Holifest in Bharabise mitfeiern. Selbst in Deutschland gibt es viele Holifestival, die das „echte“ Holifest nachahmen. Das Ganze in einem Land miterleben zu können, in dem das Holifest in der Kultur verankert ist, ist was besonderes. Wir waren ganz schön gespannt auf die Farbenschlacht in Bharabise.

Als wir dann nach mehr als 2 Stunden wandern abends an der Farm ankamen, trafen wir Vishnu und Bodri. Sie waren in den Wälder über der Farm das Feuer bekämpfen. In der jetztigen Zeit werden in Nepal Waldstücke abgebrannt, damit neue Anbauflächen entstehen oder unkontrollierter Waldbrand verhindert wird. Dabei gerät das Feuer immer mal viele außer Kontrolle. Als wir die beiden fragten, ob wir denn ohne Gefahr in der Farm schlafen könnten, meinte sie wir sollten „carefully“ schlafen. Wie das gehen sollte wussten wir nicht ganz genau. Das Problem erledigte sich dann aber auch nach zwei Stunden durch ein riesen Gewitter, das das Feuer ausgelöscht hat.

Als wir am nächsten Morgen aufstanden, hatten sich auf der Farm schon mehrere Menschen versammelt und es wurden immer mehr. Wir wurden sehr nett zu ihnen eingeladen und bekamen Nepalitee, Eier und Toast. Überraschenderweise sprachen sie sogar gut Englisch und wir konnten uns entspannt mit ihnen unterhalten. Ein junges Mädchen, das aktuell in die 10. Klasse geht, erzählte uns, was sie in ihrer Zukunft machen möchte. Sie würde gerne Hotelmanagement studieren, am liebsten in Österreich. Scherzeshalber versuchten wir sie auch von Deutschland zu überzeugen.

Uns fiel bei dieser Familie und deren Freunden direkt auf, dass Bildung für sie sehr wichtig ist. Sie kommen aus Bharabise und besitzen dort verschiedene Shops. Man merkt immer wieder, dass die Menschen gebildeter sind, umso mehr man in die Nähe von großen Städten kommt. In Bhumethan versteht fast keiner Englisch und in Bharabise wurden wir oft auf Englisch angesprochen.

Nachdem wir unsere ersten Farben ins Gesicht geschmiert bekommen hatten und ein bisschen was gegessen hatten, gingen wir nach Bharabise.
Als wir der Stadt immer näher kamen, wurden wir oft mit „Happy Holi“ begrüßt und in der Stadt selbst kamen dann auch die Farben dazu, die man sich gegenseitig ins Gesicht schmiert. Als wir dann auf eine große Menschenmenge zugingen, wurde ich festgehalten und mit mindestens 5 Liter Wasser überschüttet. Dass zum Holifest auch so viel Wasser gehört, hätten wir nicht gedacht. Auf jeden Fall war ich dann von oben bis unten klatschnass. Die kleineren Kinder hatten Wasserbomben und schmissen damit auch fleißig in der Gegend rum. Immer wieder wurde man nass und alle schrien „Happy Holi“. Noah hatte seine Kamera dabei und dadurch bekam ich das meiste Waser ab. Auch die Farbe im Gesicht und später fast überall wurden immer mehr. Als wir genug von dem ganzen Trubel hatten suchten wir uns einen gemütlichen Platz am Fluss, machten Musik an und ließen uns von der Sonne wieder trocknen. Ein schöner Moment voller Farbe und ganz nass in der Sonne zu sitzen, Musik zu hören und in der Ferne die Rufe des Holifestes zu hören. Als meine Klamotten mehr oder weniger wieder trocken waren, machten wir uns auf den Weg zurück zur Farm.
Die Wasser- und Farbenschlacht hatte deutlich abgenommen und wir konnten ohne weitere Wasserangriffe aus der Stadt herausgehen. Auf dem Weg rief man sich gegenseitig „Happy Holi“ zu und man sah viele Jeeps oder Lkws mit vielen Menschen auf der Ladefläche – eine tolle Stimmung!

Auf der Farm wurde auch noch gefeiert und dazu gegrillt. Wir saßen alle entspannt im Kreis mit Bier und gegrilltem Hähnchen und unterhielten uns über Bildung, China und Indien. Sie erzählten uns, dass Indien vor ein paar Jahren für 3 Monate die Handelswege zwischen Indien und Nepal gesperrt hatte und dadurch ganz Nepal kein Gas mehr gehabt hatte. Mit China aber hätten sie vor allem vor dem Erdbeben viel Handel betrieben. Wir fanden es sehr interessant einen Einblick in die politische und wirtschaftliche Stimmung in Nepal zu erhalten.
Nachdem wir zum Schluss noch zum Tanzen überredet wurden, verabschiedeten wir uns von der Feier und bedanken uns für dem schönen Tag.
Die Wanderung zurück nach Bhumethan war sehr anstrengend mit all dem Gepäck und wir fielen abends schnell ins Bett.

Namaste! Noah und Hannah, die beiden Volunteers

Impressionen aus Kathmandu…. etwas Technolastig… wenig Traditionsgefühl