Jungel. Pinienwald. Alm.

6. April Jiri

Neue Region. Weite Reise. Knie verdreht. Mega gastfreundlich und sehr schön hier.

Gestern bin ich ca. 160km gereist und es hat ca 12 Stunden gedauert. Der Flug mit einer guten Verbindung dauert für die ca. 6500km von Deutschland nach Nepal ca. 12 Stunden. Inlandreisen zeigen einem auf… Zeit und Distanzen sind etwas relatives. Der Tag began um 5 Uhr morgens. Von der fertiggestellten Schule im Bergedorf Bhumethan in der Region Sindupalshuk ging es zu fuss 700 Höhenmeter durch mittelgebirartigen Jungle mit Hunderten von kleinen Landwirtschaftsterassen runter zur ISARD Farm. Dort könnten wir spontan mit einem Jeep zu einem Dorf fahren, wo der Bus nach Jiri startete. Der Region, die man auch die Schweiz von Nepal nennt. Wir haben keine Plätze reserviert und der Bus um ist voller als voll. Statt 40 Leute sind wohl fast 60 drin. Die zum Teil technohafte nepalesische Musik pocht laut durch den Lautsprecher. Manche Lieder wiederholen sich immer wieder. Ich sitze ganz vorne in dem Bus. Kann gut sehen. Manchmal zu gut, die auf uns zu rasenden Autos, die Serpentinen …. nepali way…. ein Gefühl von Faszination und Sorge wechseln sich hier beim Bus fahren immer wieder ab. Wir durchqueren die Region Kharidhunga voller Pinienwaldartig Bäume … lange Nadel, harzig… sommerliches Wetter. Warm. Man richt hier den Sommer. Der Bus kämpft sich weiter nach oben… wie passieren mehrere grössere Städte, die wie aus dem nichts vor einem erscheinen. Es wusselt auf den Strassen. Einige Hotels. Es geht etwa runter und dann wieder über zwei Pässe nach oben. Es wird karg und wir durchqueren einen Abschnitt wo vielen nepalesische Abenteuerfilme gedrehte werden. Man hat das Gefühl gleich reitet Winnnetou und Old Shatterhand an uns vorbei. Die Strecke zieht sich. Später folgt am Strassenrand ein Rothodendronbaum den anderen. Ist die Nationalblüte hier.

Bin dankbar bei einem Stop Obst kaufen zu können. Kleines Picknick im Bus. Ich biete wie immer allen um mich herum was an. Unterwegs bin ich bzw wir mit Kopila, sie arbeitet für ISARD und kommt aus Jiri in der Region Cindram. Kopila war am Anfang super schüchtern, sprach nicht mit mir, englisch bescheiden…. Welten zu jetzt. Keiner begrüsst mich herzlicher als sie, wenn man sich wieder sieht. Redet und erklärt. Englisch wird besser. Sie weiß so viel über Landwirtschaft. Sie ist die Expertin bei ISARD für neue Anpflanzungen. Hat selber Landwirtschaft studiert und lange auch unterrichtet. Sie startet immer wieder neue Projekte und versucht neue Methoden … wie Austernpilze im Zelt mit Hängesäcken oder japanische Pilze im Baumstamm zu züchten. Als wir bei ihr zu Hause ankommen… in jiri .. Hannah und Noah sind auch dabei… die jungen deutschen Volounteer, die in der Schule unterrichtet haben, die ich als Projektleiterin mit der nepalesischen NGO ISARD und deutschen Verein Carisimo fertig gestellt habe. Jedenfalls… im Garten von Kopilas Familie wachsen rote vollblütige Amaryllis. Wunderschön. Das Haus liegt etwas erhöt in einem Bergtal… man sollte wirklich meinen man ist in einer Alpenregion. Das Haus der Familie könnte so auch in einem Bergdorf in Süddeutschland, Österreich oder der Schweiz stehe. Klein. Fein. Liebevoll mit Farben verziert. Balkon rot und grün angemalt. Gehört zu Region, habe ich bei mehreren Häusern gesehen. Stärker Kontrast sind die Poster innere Zimmer inde Hannah und ich schlafe. Bollywood Plakate mit Filmstars.

Die Feuerstelle in der Küche….. totale Überraschung……Es ist ein besonderes Konstrukt. Sehe ich das erste mal. Es gibt Rohr und da steckt ein Belüfter mit Stromversogung dran. Kontinuierliche Flamme. Weniger Rauch. Weniger Holz notwenig. Das gibt es wohl öfters hier. So unterschiedlich die Regionen auch bei so etwas.

Das Haus ist wohl das sauberste und georneteste Haus, dass ich bisher gesehen habe…. mehr noch als das von der Richterin. Die Gastfreundschaft erschlägt einen fast. So viel extra für uns…. etwas Brot… (esseb die normal nicht, Orangenmarmelade.. richtiger Kaffee (tief schwarz… kein durchsichtiges etwas) und lokaler Käse und gekochte Eier als Empfang. Willkomenstücher und Amaryllis werden uns überreicht. Dazu der Blick ins Tal bzw. Den Berg hoch. Wien auf einer Alm. Die Kuhglocke fehlt nur noch. Die zwölfstündigen Reise hat sich schon jetzt gelohnt. Andere Welt zum Bergregion wo ich die Projekte wie Bau einer Schule, Kindergarten leite oder Fertigstellung einer Seniorentagesstätte unterstütze. Da habe ich Affen gesehen. Gibt es Bananenstauden. Was ein Kontrast. Es fühlt sich etwas an wie Urlaub. Was ich auch brauche. Die letzten Wochen war sehr anstrengend. Die Schlagzahl des Arbeitens war sehr hoch und die verschiedenen Ansichten und Arten… Nepali Way… German Way… bei den Projekten fordern mich schon manchmal sehr. Auch wenn es unendlich viel Spass macht. Was mich betrübt. Ich habe im Bus mein Knie verdreht, kann kaum laufen. Eigentlich will ich hier wandern und bald startet meine Himalayatour… ohje… gerade die Infektionen am linken Bein mit dem Erysipel ausgeheilt und nun das am linken Knie. Ich spüre den Altersunterschied zu meinen Reisen mit Mitte zwanzig bzw dreissig mit ehrenamtliche Engagement in andere Entwicklungsländer schon etwas. 45 ist eben schon anders. Ich finde älter werden schön aber der Körper ist wirklich nicht mehr so flexibel und belastbar.

Abends essen wir alle zusammen Dal Bhat. Ich als nicht Dhal Bhat Fan muss sogar sagen lecker… aber es wurde extra für uns auch nicht so scharf gemacht. Die Scharfliebhaber, nehmen getrocknete Chili dazu. Sie beissen zwischen durch immer wieder in die Schote rein. Wahnsinn. Mein Mund würde verbrennen.

Was sehr erstaunlich ist, die 8 köpfige Familie erzählt mir, sie sitzen so in der Küche beim Feuer das erstemal zum Abendessen zusammen. Ich hatte es mir gewünscht… zusammen essen. In Nepal ist Essen kein soziales gemeinsames Ereignis. Es ist pure Nahrungsaufnahme. Effektiv. Schnell. Jeder eher für sich. Gemeinsam zusammen sitzen und reden: Seltenheit. Uns wird Hirsewein wurde angeboten. Eher Bierartig. Nicht meins. Alkohol trinke ich hier kaum. Aber ic esse sehr viele Kekse und weißes Brot. Ernährung sehr bescheiden hier. Habe zugenommen. Lokales zu scharf für mich. Zu viel weisser Reis und viel zulang gekochtes Gemüse…. für meinen Geschmack.

Wir reden über dieses und jenes. Wie sich Kopida und ihr Mann kennen gelernt haben, habe ich nicht noch nicht erfahren. Der Mann meinte, erklärt er mir ein ander Mal. Eine arrangierte Ehe oder Ehe aus Liebe. Letzteres ist hier im Allgemeinen und besonders auf dem Land seltener. Wobei viele arrangierte Ehen zur einer Liebe auch werden können…..hat man mir hier erklärt.

Kurz vor dem Essen muss ich mich nochmal lange mit dem Direktor der lokalen NGO telefonische abstimmen. Wir liegen nicht immer auf einer Wellenlänge aber heute herrscht tatsächlich Einigkeit bei den nächsten Schritten zum Thema Women Empowerment in den Bergdörfern. Das freut mich. Es werden nächste Aktionsschritte geplant. Ziel ist ein richtiges Projekt für über ein Jahr. Ihr spielt der deutsche Verein Carisimo auch eine wichtige Rolle. Svenja und Rosi, die Vorsitzenden kommen über Ostern hier her. Spannend. Aufregend. Interessant aber auch fordernd ist mein Einsatz…. ehrenamtliches Engagement hier.

Müde. Mit Knieschmerzen gehe ich zu Bett. Es Gewittert etwas. Kein gutes Wetter hier gerade. Soll auch so bleiben laut Wetterbericht. Schauen wir. Nepalesische Gelassenheit.

Namaste

Mascha

Morgens um 5.30 uhr an der Schule und das Flussbett passiert

Die lange Reise startet an der Busstation