Sonne und Sturm

2. Mai 2019 Kathmandu

Ich habe Durchfall. Das muss man sich mal vorstellen, die ganzen letzten Monate kein mehrtägiger Durchfall. In all den Bergdörfern bei den Einheimischen gegessen. Nichts passiert. Jetzt seid ein paar Tagen hier in Kathmandu nur in westlichen Lokalen gewesen und ich habe Durchfall. Und so wandere ich vom Hotelbett zum Bad und zurück. Keine Höhenmeter. Mein Knie schmerzt. Ich kann kaum auftreten. Keine Ahnung wo das her kommt. Eigentlich war Ausflug zu einem Tempel heute geplant. Das wird nichts. So werde ich in den Tag wieder mehr im Hotel verbringen. War gestern ähnlich. Stört mich nicht. Ausruhen. Nichts tun ausser Musik hören, lesen, ggf etwas Sport. Der Körper fordert sein Recht ein: ausruhen. Ich sollte mich dehnen. Mag ich aber nicht. Vielleicht eine Massage später. Mal sehen wie sich der Durchfall entwickelt.

Ich höre den tausend Geräusche zu, die von draussen durch das Fenster in mein Zimmer drängen. So viele Hundegebäll. Kathmandu ist voller streunender Hunde. Sie bellen oftmals um die Wette. Bei der Hitze liegen sie einfach immer irgendwo auf der Straße rum. Nicht wenige humpeln … wahrscheinlich angefahren durch Autos oder Scooters. Kathmandus Strassenverkehr funktioniert nach dem Recht des Stärkeren. Mich strengt das Dauergehuppe an. Die Menschen tragen fast alle Gesichtmasken wegen dem Staub. Die Kühe laufen einfach ruhig durch das Chaos. Was ich am Anfang alles koch als charming empfand … das Hupen, die Hunde, die Kühe, das Gewusel fordert mich. Gerde höre ich ja von meinem Zimmer nur zu. Alles gut. Dazwischen der Baulärm überall wird gebaut. Aber das Vögelgezwitscher ist nicht leise.

Ich schaue raus. Alle grossen Wasserpfützen sind wieder weg. Gestern Abend kam wie aus dem nichts ein Unwetter. Sturmböen, beitschender Regen und geblitze.

Ich war gestern mal wieder an der Stupa. Habe Maryane die Holländerin vom Trekking getroffen. Ihr letzter Abend, denn wollte sie an der Stupa verbringen. Kann ich verstehen. Der tibetisch buddhistische Tempel hat einfach was magisches. Anfangs supr Wetter. Sogar strahlend blauer Himmel. Selten für Kathmandu. Besonders zu dieser Jahreszeit. Ein leichtere Dunstschleier begleitet im Frühjahr den Tag sehr häufig. Ein Grund warum viele Wanderer im Herbst hierher kommen. Wenn ich zum Wandern wieder komme, würde ich das auch machen.

Es klopft. Mein Cappuccino. Ein liebgewonnenes Ritual. Blog schreiben im Bett. Cappuccino.

Mayane meinte gestern auch…. Wandern im Herbst. Eine Lange Tour will sie mal machen. Der Wanderervirus hat sie erfasst. Wir sitzen bei einem nepalesischen Spanier und schauen bei Sonnenschein und Martini Bianco auf die Stupa. Alkohol desinfiziert den Magen. Martini auf Eis ohne Olive. Neben Aperol Spritz das Sommegetränk vom letzten Jahr. Meine Geschmacksknospen zelebrieren den Martini. Wird wohl auch diesen Sommer getrunken werden.

Es ist voll bei der Stupa. Die Trommel zum Nachmittagsgebet läutet. Viele tibetische Mönche. Generell viel Menschen, die mit ihren Gebetsketten sich von hier nach dort und von dort nach hier wusseln. Wir beobachten das alles von der Dachterasse mit dem Martini und unterhalten uns über Gott und die Welt. Nepal, Familie, Beziehungen, mein Sabbatical, warum Sansibar, ihre Vorhaben nach Nepal ….

Sansibar… in der 8. Klasse „Sansibar oder der letzte Grund“ von Alfred Anderach gelesen. Damals fand ich den Namen Sansibar wie der Junge im Buch einfach inspirierende und dachte damals „da fährste mal hin“. Der Gedanken bzw. Wunsch ging während dem erwachsen werden verloren. In Thailand… da war ich vor Nepal (fühlt sich an wie vor einer Ewigkeit)… habe ich das Buch noch mal gelesen und der Wunsch kam wieder auf. Jetzt ist der Flug und ein Hotel gebucht. Ich freu mich sehr.

Als die ersten Blitze gestern auftauchten, wollten wir erst mal nicht weichen aber die Regenböen zeigten uns unsere Grenzen auf. Mutter Natur verwies uns nach drinnen. Was ein Spektakel. Als wir das Lokal verliessen war alles vorbei. Ruhe nach dem Sturm. Nur die Pfützen erinnerten an das Unwetter.

Nicht nur in Kathmandu… auch auf dem Land bedeutet Regen automatisch schnell Überschwemmungen. Keine gute Kanalisation. Viele Sandstrassen. Ich stelle mir die Monsunzeit sehr stressig vor.

Ich laufe im dunkeln zum Hotel. Es fühlt sich sicher an. In Indien und der Mongolei hatte ich abends immer Angst. Hier nicht. Keine Knieschmerzen abend. Wo die jetzt herkommen? Ist wie es ist. Ein ruhiger Tag liegt vor mir. Vielleicht raffe ich mich ja auf und bereite mich vor für meinen Abschlussvortrag. Am 9.5. ist auf der Farm meine Bye Bye Party. Werde etwas über Projektmanagement erzählen…. mein letzter Versuch doch noch etwas mehr nachhaltig zu hier zu sein …. bin ich mir bisher unsicher. Eine Diskussionsrunde über die letzten Monate und Gruppenarbeit sind auch geplant. Sollte alles noch vorbereitet werden. Motivation wo bist du? Ich bin in Projekten ein Starter und Finisher … sie … die Motivation…wird kommen. Kurz vor der Ziellinie drehe ich immer noch mal auf. Hier wird es ähnlich sein. Denke ich.

Namaste

Mascha