Letzter ganzer Tag

14.05.2019 Kathmandu

Gestern war also mein letzter ganzer Tag. Heute Abend fliege ich. Dies ist der vorletzte Blog Eintrag. Krass.

Ich hatte vor Nepal kein Whatsapp. Blog …. ich wusste was das ist, mehr aber auch nicht. Nie ein gelesen und schon garnicht geschrieben. Ich kämpfe mit dem schreiben bzw mit der Technik hier und da. Es ist schwer für mich mit der Smartphontastatur. Kleine Tasten… nicht gerade grazile Finger. Ich lande oft beim falschen Buchstaben. Meine Legatshenie und meine Ungeduld machen es mir nicht leichter…. das Schreiben. Dazu die drei Sprachen im Kopf….. deutsch, englisch und nepalesisch. Und am Anfang das kalte Wetter mit den kalten Fingern. Es war hier und da eine echte Herausforderung jeden Tag zu schreiben.

Ich habe keine Ahnung, ob es Standards für Blogging gibt. Ich habe einfach gemacht. Meine Devise wie immer in meinen Tun im Leben… authentisch sein. Nichts verschönern oder zu sehr dramatisieren. Und ich kann einfach nicht nur sachlich beschreiben. Es geht auch immer um meine Emotionen, Gefühle und zum Teil persönliches. That’s me.

Ich bin froh und dankar, dass ich geblogged habe aber das endet jetzt, auch wenn mein Sabbatical noch weiter geht. Es ging um Nepal, das Land, die Menschen, meine Arbeit hier und wie ich es erlebt habe. Absolutes Neuland.

Danach …. mein letzter Abschnitt des Sabbatical geht um meine Familie, meine Freunde und mich. Nichts für einen Blog. Ich freue mich sehr auf das cruisen mit meinen Cabrio durch Südeuropa …. „meine“ Menschen besuchen ….. bzw. sie besuchen mich…… mit Ihnen Zeit verbringen. Sich Zeit schenken.

Gestern kam zum Frühstück noch mal die Jungs vorbei. Gopy, Namarajh und Prokars. Die Jungs, ich muss grinsen. Die anfängliche Zurückhaltung als ich hier ankam, ist wie weg geblasen. Auch wenn das englisch holprig ist, wir reden offen miteinander und mit viel Humor. Ich hoffe sehr, dass sie wirklich sagen, was sie denken.

Hier in Nepal… oder in vielen asiatischen Ländern…. sagen man oft zu Ausländern immer „ja“. Für eine effektive und erfolgreiche Projektarbeit nicht wirklich hilfreich. Wir reden über das Health Camp nächstes Jahr. Ein letztes Mal nehme ich die Rolle einer Projektleiterin bzw Managerin ein. Ich erkläre, wie wir vorgehen, wann und wie der Zeitablauf sein wird. Ich habe beschlossen eine Woche über Silvester hierher zukommen. Ich mag Silvester nicht, noch nie. Guter Zeitpunkt um in Nepal eine Konzept für das Health Camp gemeinsam zu erarbeiten. Ich erkläre, dass wir alle Kernleute an einen Tisch bringen und da diskutieren werden, wie wir das Projekt planen und umsetzen werden … konkrete Ziele, Zeitschiene, Rollen, Aufgaben, Risiken etc. … alles was zu einem Projektplan bzw Management dazu gehört. Ich erkläre, wie wichtig es ist, dass sie … also die Jungs… schon jetzt mit den lokalen Politikern und Behörden reden sollen, denn es ist auch die Aufgabe der lokalen Politik, bescheid zu wissen und zu unterstützen. Ich frage noch mal ab, ob wir uns über die drei Kernpunkte des Health Camp einig sind: Daten erfassung (was sind die Kernprobleme, die behandelt werden müssen und Priorisierung), die Behandlungsphase und ganz wichtig Gesundheitsbildung (Hygiene, Ernährung, Sexualität also der Educationpart). Sie stimmen zu, wir hatten darüber schon öfters gesprochen. Ich hacke nach… imandar?…. ehrlich?… kein Ausländern JaJa. Hier habe ich meine Lektion in den letzten Monaten gelernt. Die haben Bock auf das Thema und auch die strukturierte Herangehensweise. Das spüre ich. Ich erzähle von dem Treffen mit der Ärztin. Es kommt die Frage auf, wie der Kontakt enstanden ist….. Zufall bzw die Gelegenheit beim Schopfe gepackt. Ich kann das gut, wurde geäussert. Ja, so etwas kann ich ganz gut und grinse. Ich denke, ich habe es geschafft, das wir vorerst ein gemeinsames Bild haben, was wir machen wollen und wie es nun weiter geht. Kerndaten stehen. Ich bin zufrieden. Die Jungs auch. Es ist eine ausgelassene Stimmung…. ein paar Witze folgen.

Dann der Abschied. Selbst die Jungs sind etwas angefasst. In Nepal nicht üblich aber von mir etwas eingeführt …. eine Umarmung…. inkl. kumpelhaftem Schulter klopfen. Ein letztes Foto.

Links neben mir Namarajh der Chef aller Projekte und zentrale ISARD Figur auf der Farm und in den Dörfern.

Rechts neben mir Prokas, der ehrenamtliche Generalsekretär von ISARD. Die gute Seele. Er ist sehr angesehen in der Region und kennt wie Namarajh Hinz und Kunz.

Und ganz rechts Gopy. Er lebt in Kathmandu und ist Projektkoordinator. Er spricht am besten englisch und sogar gut deutsch.

Die Jungs. 😀

Abends treffe ich noch mal KP. Bei ihm hatte ich die erste Woche gewohnt als ich ankam. Er hat lange in Deutschland gelebt.

Er fordert eine erste Analyse und Bewertung meiner Zeit hier ein. Ich bin noch nicht so weit. Aber, was ich klar sagen kann, von allen Entwicklungsländern, die ich bereist habe, hat mich Nepal am meisten berührt. Die Menschen. Ist vielelicht nicht ganz fair, denn hier war ich am längsten. Auch in anderen Ländern hatte ich zum Teil mit lokalen NGOs zu tun und habe mich engagiert. Aber nie so lange und nie so intensiv. Aber ich war auch teilweise sehr jung. Es ist einfach ein Unterschied, ob man Anfang zwanzig oder Anfang dreißig oder mitte vierzig ist. Die eigene Lebenserfahrung spielt da denke ich schon eine grosse Rolle. Zumindest für mich.

Die Stupa ein letztes mal am Abend. Ich gönne mir ein Cocktail. Gelogen es waren drei aber nicht so starke.

Leicht beschwipst falle ich ins Bett. Einschlafen fällt schwer.

Ein Mal melde ich mich noch via Blog. Denn, es gibt ja noch den heutigen Tag in Nepal. Ich fliege erst um 19.30 Uhr.

Namaste

Mascha

P.s. die Kartenmschiene des Lokals ging nicht. Ich habe nicht genug Bargeld. Man notiert meine Handynummer. Ich soll morgen wieder kommen zum zahlen. So ist Nepal auch.